Zwei Frauen spielen mit einem Hund; eine der beiden hat eine geistige Behinderung.

Behinderung: Was ist das genau?

Kennst du einen Menschen mit Behinderung? Vermutlich schon, denn in Bayern leben mehr als eine Million Menschen mit einer Schwerbehinderung: Kinder und Jugendliche genauso wie Erwachsene. Neben den sichtbaren Behinderungen (Beispiel: Gehbehinderung) gibt es auch viele unsichtbare (Beispiel: schweres Asthma). Was ist eine Behinderung genau und welche Formen gibt es? Lies hier weiter ...

Behinderung: kurz erklärt

Behinderung bedeutet: Ein Mensch kann wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkung nicht oder nur eingeschränkt an bestimmten Lebensbereichen teilhaben.

Behinderung: angeboren oder erworben?

Manche Behinderungen sind angeboren. Beispiel: Ein Baby kommt mit dem Down-Syndrom zur Welt. Oder es hat eine Muskeldystrophie: Das ist eine Erbkrankheit, die zu Muskelschwund führt. Die meisten Behinderungen treten aber erst im Laufe des Lebens auf. Beispiel: Jemand verliert bei einem Autounfall das Augenlicht oder ist nach einem Sturz beim Skifahren querschnittsgelähmt. Auch chronische Krankheiten wie Rheuma oder Diabetes können zu einer Behinderung führen.

Sichtbare und unsichtbare Behinderung?

Mach den Test: Hier siehst du zwei Jugendliche. Welcher von beiden hat eine Behinderung?

Ein Junge ohne sichtbare Behinderung liegt auf einem Sofa.

Hat dieser Junge eine Behinderung ...

Ein Junge sitzt im Rollstuhl in einer Bücherei.

... oder ist es dieser?

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Du meinst: Logisch, natürlich der zweite Jugendliche, der im Rollstuhl fährt! Das ist richtig. Aber auch der erste Junge hat eine Behinderung, nämlich die chronische Krankheit: Morbus Crohn. Bei dieser Erkrankung ist der Darm ständig entzündet. Das führt zu Bauchschmerzen, schweren Durchfällen, Gewichtsverlust und Erschöpfung.

„Unsichtbar“ heißt nicht: halb so schlimm

Es gibt viel mehr Menschen mit einer unsichtbaren als mit einer sichtbaren Behinderung: einer Erkrankung der inneren Organe oder der Seele zum Beispiel. „Was, der XY soll eine Behinderung haben? Das sieht man ja gar nicht!“: Wer eine unsichtbare Behinderung hat, stößt oft auf Zweifel und muss sich erklären. Fakt ist: Wie schwer eine Behinderung ist, hängt nicht von ihrer „Sichtbarkeit“ ab.

Übrigens: Die Schwere einer Behinderung bezeichnet man in Grad. Ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 gilt ein Mensch als schwerbehindert. Er kann einen Schwerbehindertenausweis beantragen.

Fachkräfte in der Behindertenhilfe arbeiten mit Menschen in jedem Alter, mit allen Formen von Behinderung und mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen!

Welche Formen von Behinderung gibt es?

  • Die Beweglichkeit oder bestimmte Körperfunktionen sind eingeschränkt.
  • Wer eine Gehbehinderung, ein schweres Rückenleiden oder eine Muskelerkrankung hat, braucht vielleicht eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl. Andere Menschen können ihre Arme, Hände oder Finger nicht bewegen.
  • Auch Rheuma, schweres Asthma oder Multiple Sklerose – eine Entzündung des Nervensystems – können zu einer körperlichen Behinderung führen.

  • Der Mensch kann nicht oder nur stark eingeschränkt sehen, hören, tasten oder riechen.
  • Du trägst eine Brille? Wenn du mit ihr gut sehen kannst, bist du NICHT sehbehindert. Eine Sehbehinderung kann man mit einer Brille nicht ausgleichen.

  • Dem Menschen fällt es schwer, neue Infos zu verarbeiten, zu lernen und oft auch, ihren Alltag selbständig zu bewältigen.
  • Für eine geistige Behinderung gibt es viele Ursachen. Sie kann angeboren sein, durch Sauerstoffmangel bei der Geburt entstehen – oder durch eine Schädigung des Gehirns bei einem Unfall.

  • Der Mensch ist in seinem Fühlen, Denken und Erleben beeinträchtigt.
  • Ursachen können Überlastung, Stress oder eine traumatische Erfahrung (zum Beispiel Mobbing) sein.
  • Häufige seelische Erkrankungen sind Angststörungen und Depressionen.
  • Seelische Erkrankungen können auch körperliche Auswirkungen haben.
Beim Basteln: Eine junge Frau mit geistiger Behinderung klebt Perlen auf ein Blatt Papier.

Menschen mit Behinderung haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Aktivitäten wie Basteln fördern zum Beispiel Kreativität und Beweglichkeit – und machen einfach Spaß.

Teilhabe ermöglichen

Die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung sind je nach Form und Grad der Behinderung ganz unterschiedlich. Viele Betroffene können selbständig leben und ihren Alltag organisieren, arbeiten, Sport treiben, verreisen. Andere brauchen Unterstützung, um am Leben teilzuhaben. Sie werden begleitet, betreut und gefördert von den Profis der Behindertenhilfe – im Alltag, in Schule, Ausbildung und Beruf. Denn: Eine Behinderung soll keinen Menschen daran hindern, am Leben teilzuhaben!

Das klingt spannend? Dann schau gleich mal rein: Hier lernst du Berufe in der Behindertenhilfe kennen.